Burgkirche Oberwittelsbach

Allgemeines

Auf dem waldumrandeten Platz der Stammburg der Wittelsbacher ragt einsam der spätgotische Ziegelbau der Burgkirche. In seiner mächtigen, strengen Form, anders als die hell leuchtenden Dorfkirchen Bayerns, mahnt er zur Erinnerung und Besinnung. Beziehungen zur Geschichte der Wittelsbacher sind hier allerdings nur in einigen Einzelheiten zu finden: der Standort der Kirche auf dem Platz der zerstörten Burg, ferner einige am unteren Teil des Turmes außen sichtbare Natursteine, vermutlich Reste des ehemals weit über das Paartal schauenden Bergfrieds, und der um 1530 im Stil wehrhafter Burgbauten gestaltete Treppengiebel des Turmes. Sie erlauben den Ausdruck „Burgkirche Wittelsbach“. Ihre eigentliche Bedeutung erlangte sie erst nach dem Wegzug der Wittelsbacher als Marien-Wallfahrtskirche, als solche nachweisbar seit 1418. Dieser Marienkult hängt zusammen mit dem des Deutschen Ritterordens in Aichach-Blumenthal, dem auch die Kirche in Oberwittelsbach gehörte. Im Laufe der 500 Jahre wurde sie, außen und innen deutlich erkennbar, in Längen und Höhen mehrmals erweitert und von frommen Gönnern in ihrer Ausstattung bereichert. Gleichwohl kam sie zu einer ausdrucksvollen Geschlossenheit.

Die Innenausstattung

Inhaltlich ist sie klar zweigeteilt. Der sakrale Raum der Altäre ist dem Marienleben gewidmet, das Kirchenschiff dem Leiden Christi. Die Marienverehrung beginnt im rechten Seitenaltar mit der Verkündigung des Engels an die Magd Maria, erfährt den Höhepunkt im Hochaltar mit dem Bild der Mutter mit dem göttlichen Kind, umjubelt von musizierenden Engeln, und endet im linken Altar mit der Darstellung der Schmerzensmutter und der Grablege Christi. Das Gnadenbild im Hochaltar ist zugleich künstlerischer Höhepunkt der Kirche. Es ist ein Werk des großen schwäbischen Bildhauers Gregor Erhart (um 1530) und kam vielleicht durch die in dieser Zeit besonders starken Beziehungen des Klosters St. Ulrich und Afra nach Wittelsbach. Im Übergang der spätgotischen Kunst zur Augsburger Renaissance ist es ausgezeichnet durch die Beherrschung der Bewegung und die Sorgfalt des Ausdrucks bis in die feinsten Einzelheiten. Die Weltkugel mit der Schlange, die Kronen auf dem Haupt von Kind und Mutter und die vier kleinen Engel zu Häupten der Maria sind von frommen Verehrern später angefügt worden. Nach einem geistlich-logischen Plan ist das Gnadenbild umrahmt links von Johannes d. Täufer, rechts vom visionär ahnenden Johannes Evangelist, darüber in der Mitte unter der Hl.-Geist.-Taube Petrus und Paulus flankiert links von Joseph, dem Patron der Handwerker, rechts Papst Silvester, Beschützer der Bauern und der Tiere. Über dem Gott-Vater-Medaillon an höchster Stelle der sieghafte David. Der freistehende barocke Altarschrein wurde in Ablösung eines früheren gotischen Altars 1687 errichtet.

Unter dem Boden links vor dem Altar das Grab des Augsburger Abtes Simon Goll, der 1548 in Unterwittelsbach starb. An der linken Chorwand seine kunstvoll gemeißelte Wappenplatte. Rechts darüber ein verblasstes Fresko mit der seltenen Darstellung des Manna-Wunders.

Der rechte Seitenaltar ist ohne einheitliches Bildprogramm, enthält aber wichtige Erinnerungen. In der Mittelnische über dem Altartisch zwischen den 14 Nothelfern eine spätgotische Madonna, wahrscheinlich das Gnadenbild der früheren Wallfahrtskirche um 1420, vielleicht ein Geschenk des Ingolstädter Herzog Ludwigs des Bärtigen, der oft in Aichach weilte. Zu Seiten des Verkündigungsbildes links St. Georg mit dem Deutschordenskreuz auf dem Brustpanzer, rechts die Hl. Elisabeth, beide Patrone des Deutschen Ordens in Blumenthal. Den Altar stiftete 1652 nach dem Schwedenkrieg ein frommer Komtur des Deutschen Ordens, was auch die beiden Wappenschilder anzeigen, die zwei Engel ober im Altargesimse halten.

Der linke Seitenaltar hingegen ist geschlossen dem Thema der Marienklage gewidmet. Im Mittelgrund trauert die Mutter um den toten Sohn auf dem Schoß. Engel mit Marterwerkzeugen und Tränentüchern stimmen in die Totenklage ein um Christus, der einsam unter der Gruppe liegt.

Kirchenschiff

Das Kirchenschiff ist unsymmetrisch. Im Zuge der Umbauten erfuhr es eine Achsenverschiebung, der Lichteinfall ist auf Apsis und Südwand beschränkt. Die Orgelempore samt Wendeltreppe stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, der neugotischen Bauzeit von Nationaldenkmal und Kuratenhaus. Die Einheit des Gesamtraumes wird durch das spätgotische Rippengewölbe gewährleistet, in dessen Zwickeln unter dem Putz mehrfarbige Pflanzenornamentfresken verborgen liegen.